Tromsö - die Nordlichthauptstadt

 

Auch mit Kind wollen wir uns nicht von abenteuerlichen und aufregenden Reisezielen abbringen lassen. Deswegen ging es über Silvester im Dezember 2015 gemeinsam mit Freunden in den hohen Norden nach Tromsö.

 

Zu dieser Zeit herrscht dort die Polarnacht, die fast rund um die Uhr für Dunkelheit sorgt. Zunächst konnte ich mir gar nicht vorstellen wie es wird, wenn es mitten am Tag völlig dunkel ist. Aber es war eine tolle Erfahrung!

Die Sonne sieht man eigentlich gar nicht. Wenn es ab ca. 10 Uhr bis 14 Uhr hell ist, dann sieht es die ganze Zeit so aus, als würden Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ineinander übergehen. Bei gutem Wetter kann man den orange-rosa gefärbten Himmel sehen und teilweise sogar einen herrlichen Blauton. Aber das war's auch schon. Bei einer dicken Wolkendecke wird es allerdings gar nicht wirklich hell.

 

Die Stadt Tromsö bietet alles was das Herz begehrt. Mit rund 72.000 Einwohnern ist sie gar nicht mal so klein (achtgrößte Stadt in Norwegen). Sie liegt 344km nördlich des Polarkreises und ist damit perfekt gelegen für die Sichtung von Polarlichtern. Unterhalb der Stadt gibt es ein gut ausgebautes Tunnelsystem und jede Menge Parkmöglichkeiten.

 

Wir verbrachten knapp 1 Woche im Clarion Hotel the Edge. Das Hotel liegt direkt neben der Touristinformation und an der Anlegestation der Hurtigruten, den bekannten Postschiffen.

 

Es gibt genügend Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants. Wir haben sehr gern im Restaurant Egon gegessen. Somit kann man sich die Zeit in der Dunkelheit und das Warten auf die Nordlichtausflüge gut vertreiben.

 

Es werden außerdem viele Bootsausflüge angeboten um Wale zu beobachten. Man kann wählen zwischen Touren in warmen, beheizten Booten und wer ganz nah dran sein möchte, macht die sogenannte Zodiak Tour mit dem Schlauchboot, quasi in Augenhöhe mit den Walen. Das ist allerdings nicht für kleine Kinder geeinget.

 

 

Wir entschieden uns also für die warme Variante und das sollten wir nicht bereuen. Es ging hinaus in die eisige Kälte in die Fjorde, die am Morgen noch dunkelgrau schimmern. Die kühlen, schneebedeckten Berge ragten an allen Seiten in die Luft und wir beobachteten das Wasser ganz genau. Der große Bestand an Schwert- und Buckelwalen in dieser Gegend gibt einem fast die Garantie die riesengroßen Tiere zu sehen. Ein Buckelwal wiegt bis zu 40 Tonnen und er kann mehrere Tonnen Hering und Wasser aufnehmen wenn er nur einmal sein großes Maul öffnet und auf Beutefang geht.

 

 

Es dauerte nicht lange und schon waren überall die abtauchenden Buckel zu sehen, denen der Wal seinen Namen zu verdanken hat. Oft versammeln sie sich in Gruppen und stoßen senkrecht aus dem Wasser um ihre Nahrung zu fangen. Dabei füllt sich ihr Maul und man kann einen richtig dicken, aufgeblasenen Sack am Hals sehen.

Mittlerweile hatten wir herrliches Licht durch den Sonnenaufgang und rings um uns herum hörten wir die prustenden Geräusche der Wale. Natürlich kommt ab und zu auch ein "Ahhh" und "Ohhh" der erstaunten Passagiere hinzu, wenn die gigantische Schwanzflosse aus dem Wasser ragt und nach einem Foto schreit.

 

Und auf einmal tauchte aus dem Nichts eine ganze Orca Familie auf. Sie schwammen eine Weile neben unserem Boot und begleiteten uns durch den Fjord. Durch den Austausch mit anderen Walbegeisterten wissen wir, dass man die Schwertwale nicht leicht zu Gesicht bekommt und wir hatten das Glück schon bei unserem ersten Ausflug.

 

Obwohl es eiskalt war durch den Fahrtwind, konnte ich gar nicht mehr aufhören auf den Auslöser meiner Kamera zu drücken. Einfach überwältigend!

 

Und so kehrt man mitten am Tag aber schon wieder in der Dunkelheit von einem wunderschönen Ausflug zurück.

 

 

In der Umgebung gibt es viele weitere Ausflugsmöglichkeiten wie Schlittenfahrten mit Huskys und Rentieren. Wir entschieden uns für die Rentier Tour. An dieser Stelle möchte ich dazu sagen, dass wir es sehr gefährlich und absolut überteuert fanden. Außerdem mussten wir die Fahrt aufgrund eines Unfalls mit den Schlitten abbrechen. Rentiere sind Fluchttieren und so kam es, dass sich unsere ganzen Schlitten ineinander verkeilten. 

Aber nun zu den eigentlichen Ausflügen, die uns nach Tromsö lockten - die Nordlicht Exkursionen:

 

 

Ich hätte niemals gedacht, dass man so viel Glück und Gespür benötigt um Nordlichter zu sehen. Es müssen einfach alle Faktoren stimmen, um dann auch noch ein gutes Fotos zu schiessen.

1. Es dürfen so gut wie keine Wolken am Himmel sein. Die sogenannten High Clouds sind ganz gemein, da der Himmel fast wolkenlos aussieht aber sich ganz oben doch ein fieser Schleier vor die Nordlichter legt. Zu dieser Jahreszeit sind die Chancen auf gutes Wetter einfach nicht ganz so groß. Es ist zwar toll wenn es im Winter schneit, aber leider kann man das für Nordlichter nicht gebrauchen.

 

2. Die Nordlichter sind nicht immer stark, es gibt verschiedene Level der Aurora Borealis. Das Licht entsteht ganz einfach gesagt durch Sonnenwinde, die sich auf den langen Weg zur Erde begeben und durch unser Magnetfeld an den Polen diese wunderbar tanzenden Lichtspiele erzeugen. Für diese weite Reise benötigen die Teilchen ca. 24-36 Stunden. Das heisst keine / schwache Sonnenwinde = keine / schwache Polarlichter.

 

3. Man muss sich weit von Licht entfernen, was irgendwo reflektiert oder den Himmel durch umliegende Wolken aufhellt. So sind wir also jeden Abend auf die umliegenden Inseln in die Fjorde gefahren (Richtung Tromvik oder Sommaroy), um das Licht von Tromsö abzuschütteln. Mit kleinem Kind ist das bei Uhrzeiten zwischen 20 Uhr und 2 Uhr eine Herausforderung. Aber dank dem guten Schlaf der Kleinen und der Standheizung im Auto - kein Problem.

 

4. Man benötigt ein Stativ und lange Belichtungszeiten um den grünen Nordlichtschleier einzufangen. Bei viel Wind wackelt natürlich alles...Im Dunklen gibt es außerdem keinerlei Punkte, die man mit der Kamera zur Fokussierung anvisieren könnte. Man ist also auf den Mond angewiesen oder auf kleine Lichter um das Objektiv manuell scharf zu stellen. Mit etwas Übung hat man die nötigen Einstellungen schnell raus. Außerdem ist ein sehr lichtstarkes Objekt von Vorteil.

 

5. Man braucht viel Zeit und sehr warme Kleidung. Manchmal sieht man nur ganz blasse graue Schleier am Himmel. Auf dem Kamera Monitor ist dann ein leichtes Grün zu erkennen und man weiß dass es keine Wolke sondern ein Nordlicht ist. Und selbst darüber freut man sich schon, auch wenn man sich das anders vorgestellt hat und sich fragt, ob man dafür nun so weit gereist ist. Aber es gibt genügend Menschen, die eine Woche lang auf Nordlichtjagd gehen und diese nie zu Gesicht bekommen oder eben nur in dieser leichten Variante.

 

Zum Glück sind wir die Wal- und Nordlichtflüsterer!!! Es hat einfach alles gepasst...

An 5 von 6 Tagen hatten wir super starke, herrlich tanzende Polarlichter. Es ist ein unglaubliches Gefühl, wenn man sich zunächst auf die blassen grauen Schleier konzentriert, die auf einmal stärker werden und die ganze Umgebung aufhellen. Es sieht aus wie Sand, der im Wind einen Tanz aufführt. Die Ränder fangen an zu flackern, was vorher ein Streifen war, wird auf einmal zu einem großen flächigen Gebilde mit schillernden Farben. Man kommt aus dem Staunen einfach nicht mehr heraus und verfällt in Jubelschreie und Freudensprünge.

 

Dann heisst es ran an die Kamera!

 

 

 

 

Leider ist die Speicherkarte defekt gewesen und nur wenige Bilder konnten gerettet werden. Zum Glück waren unsere Freunde kameratechnisch bestens ausgerüstet und konnten viele schöne Schnappschüsse machen. Die Ergebnisse könnt ihr hier sehen. Aber ob die Fotos nun gut sind oder nicht, dieses Erlebnis und dieses Gefühl werden wir wohl niemals vergessen. Wir waren Teil eines fantastischen Naturwunders.

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